Klaus Raab zeichnet in seiner Altpapier-Kolumne die politisch motivierte Absetzung der "Late Show with Stephen Colbert" nach. Die Entscheidung des Senders CBS sei nicht Quoten, sondern dem opportunistischen Einknicken vor dem Weißen Haus geschuldet. Mit Verweis auf die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" zitiert Raab unter anderem den Vorwurf, CBS–Leute seien "lügende Wiesel", und den Verdacht, die Fusion von CBS-Mutterkonzern Paramount mit Skydance habe Trumps Zustimmung gebraucht – und dieser dulde kein Geschäft, bei dem nicht "die Rache an einem Komiker" herausspringe.
Raab bettet den Fall in eine Reihe von Signalen ein, mit denen die US-Regierung kritische Medien zurückdränge: der Entzug von Akkreditierungen, die Ausladung der Komikerin Amber Ruffin vom White House Correspondents’ Dinner. Zugleich beobachtet er eine Neusortierung des Medienmarktes: Politisch konservative oder systemkritische Einzelmarken wie Tucker Carlson und Piers Morgan monetarisierten ihre Haltung erfolgreich direkt, während ein ähnliches liberales Gegenangebot fehle. Diese "Verkrempelung" des medialen Raumes sieht Raab auch in Deutschland, etwa anhand des rechten Podcaster Benjamin Berndt, der Björn Höcke ohne journalistische Einordnung eine Bühne bot, oder an Ulf Poschardt, der nun als "Creator" die "Welt"-Marke in den "Instagram-Schützengraben" verlagern soll.
Die Kolumne warnt davor, dass Journalismus, der allein auf Reibung, Haltung und Personenmarke setzt, zur bloßen Bestätigungsschleife für die eigene Klientel verkommt und gesellschaftliche Aushandlung untergräbt. Die entscheidende Frage sei, ob eine solche Entwicklung glücklich sein kann – die Antwort fällt skeptisch aus.
Einordnung
Raab schreibt aus einer klar linksliberalen Perspektive, wie es für das öffentlich-rechtlich verankerte "Altpapier" erwartbar ist. Seine Quellen – FAZ, SZ, New York Times – decken das kritisch-bürgerliche Spektrum ab; konservative Stimmen erscheinen nur als negative Beispiele. Die Deutung, Colberts Absetzung sei allein politisch erzwungen, bleibt trotz der Indizien eine Vereinfachung: Wirtschaftliche Interessen nach einer Großfusion könnten komplexer sein, als der Text nahelegt.
Stark ist die Kolumne dort, wo sie gegen eine unkritische Verklärung von "Creator-Ökonomien" argumentiert und die Verwischung von Journalismus und meinungsstarker Selbstvermarktung problematisiert. Der Hinweis auf Berndts Höcke-Podcast zeigt, wie eine scheinbar neutrale Gesprächskultur rechten Positionen ungefilterte Reichweite verschafft und damit unbeabsichtigt deren Normalisierung befördert – ohne dass Raab in pauschale Alarmrhetorik verfällt.
Die Lektüre empfiehlt sich für alle, die verstehen wollen, wie politische Einflussnahme und ein veränderter Medienkonsum international und in Deutschland ineinandergreifen. Wer eine rein faktenorientierte Nachrichtenanalyse sucht, wird mit dem bewusst meinungsstarken Kommentar fremdeln; wer einen kritischen Debattenbeitrag zur Lage des Journalismus schätzt, findet hier anregenden Stoff.