Zusammenfassung

Die Fraktion Die Linke thematisiert in ihrer Kleinen Anfrage die systematische Prekarität von rund 15.000 professionellen Tanzschaffenden in Deutschland. Mit Fokus auf die freie Szene – die jährlich über 2.000 neue Projekte realisiert – werden dramatische Einkommensdefizite (Jahresdurchschnitt 2025: 12.618 Euro für Tänzer:innen, 16.650 Euro für Choreograf:innen) und Altersarmut-Risiken aufgezeigt. Die Analyse benennt konkrete Förderdesaster wie die Streichung des TANZPAKT Stadt-Land-Bund, das nominal eingefrorene Budget seit 2017 (trotz Inflation) sowie den Wegfall kritischer Projekte wie explore dance, das 2026 keine Bundesmittel mehr erhält. Weitere Kritikpunkte sind das Matchfunding-Prinzip (benachteiligt strukturschwache Länder), die Unsichtbarkeit des Sektors in amtlichen Statistiken und administrative Hürden wie das Herrenberg-Urteil (erschwert Honorartätigkeiten an Schulen). Die Anfrage formuliert 40 detaillierte Fragen zur Budgetverteilung, Förderlogik, sozialen Absicherung und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Einordnung

Die Kleine Anfrage der Linken konstruiert ein Narrativ der systematischen Vernachlässigung des Tanzes durch Bundespolitik und bündelt strukturelle Probleme – von der existenziellen Prekarität über föderale Schieflagen bis zur statistischen Marginalisierung – in eine argumentative Wucht. Zentral ist die Verbindung ökonomischer Fakten (niedrige Einkommen, Gender-Pay-Gap) mit politischen Versäumnissen (gefrorene Budgets, Matchfunding), die eine „Krise“ der Sparte suggeriert, für die konkret die CDU/CSU-geführte Bundesregierung verantwortlich gemacht wird. Die 40 Fragen zielen nicht auf Einzellösungen, sondern auf Systemversagen: Sie fordern eine systematische Verbesserung der Tanzförderung, die Abschaffung der statistischen Unsichtbarkeit und strukturelle Entlastung der Kommunen. Möglicherweise reagiert die Anfrage auf das Auslaufen von Pandemie- und kurzfristigen Förderprogrammen (wie Neustart Kultur), während die regierende Koalition unter Friedrich Merz (CDU) prioritäre Diskussionen zu Kulturpolitik vernachlässigt. Die Auswahl der Themen – von Basishonoraren über die KSK bis zur Auswärtigen Kulturpolitik – zeigt eine gezielte Strategie der vollständigen Erfassung des Fördersystems, um dessen Inkonsistenzen offenzulegen. Besonders auffällig ist die Fokussierung auf ländliche Räume und inklusive Formate, was als Reaktion auf die Regierungsparteien als urban-zentristisch und marktliberal gelesen werden könnte.