In der Episode „Kann Starmer überleben, wenn herauskommt, dass er vom gescheiterten Vetting Mandelsons wusste?" befassen sich Alastair Campbell und Rory Stewart mit der Eskalation der Mandelson-Affäre: Peter Mandelson habe die Sicherheitsüberprüfung für sein Amt als US-Botschafter nicht bestanden, dennoch sei er vom Foreign Office ernannt worden – ohne dass Downing Street oder Minister:innen davon erfuhren. Nun sei der permanente Sekretär Ollie Robbins entlassen worden. Die Diskussion bewegt sich in etablierten Westminster-Logiken: Führung werde als persönliche Kontrolle verstanden, ministerielle Verantwortung als absolutes Prinzip vorausgesetzt. Die Trennung von politischer Ebene und Vetting-Prozess, die solche Probleme vermeiden soll, werde zwar erwähnt, aber nicht als legitimes Gegenargument ernst genommen.

Zentrale Punkte

  • Gescheiterte Sicherheitsüberprüfung übergangen Mandelson habe die sogenannte Developed Vetting nicht bestanden, dennoch habe Ollie Robbins diese Entscheidung überstimmt und ihn zum US-Botschafter ernannt. Weder Downing Street noch Minister:innen seien über das gescheiterte Vetting informiert worden, wie behauptet wird.

  • Starmers Unwissenheit kaum glaubhaft Stewart halte es für unmöglich, dass Starmer nichts von dem gescheiterten Vetting wusste, und stelle die Alternative auf: Entweder sei Starmer ein Lügner oder der inkompetenteste Premierminister, den er kenne. Campbell sehe ebenfalls keine plausible Erklärung für Starmers behauptete Unkenntnis.

  • Muster der Schuldzuweisung an Untergebene Campbell beobachte ein wiederkehrendes Muster: Starmer sei stets von anderen im Stich gelassen worden. Die Entlassung von Robbins wirke wie das Werfen eines Untergebenen unter den Bus, was die Loyalität im öffentlichen Dienst beschädige und Starmers mangelnden Zugriff auf Personalfragen zeige.

Einordnung

Die Episode profitiert stark von der Insider-Erfahrung beider Sprecher:innen. Campbell und Stewart kennen die Vetting-Prozesse aus eigener Anschauung und können konkret erklären, wie sie funktionieren und wo sie versagen. Die Kritik an Starmers Personalpolitik wird durch die Aufzählung zahlreicher Abgänge in Schlüsselpositionen belegt. Stärkend ist Campbells selbstkritischer Verweis auf die „Dodgy Dossier"-Affäre, der zeigt, dass Verantwortungszuschiebung auch aus eigener Erfahrung bekannt ist.

Problematisch ist die binäre Rhetorik – „Lügner oder inkompetent" –, die kaum Raum für nuancierte Erklärungen lässt. Dass die Trennung von Minister:innen und Vetting ein legitimes Schutzprinzip sein könnte, wird zwar erwähnt, aber sofort als unrealistisch abgetan. Die Perspektive der aktuellen Regierung oder des öffentlichen Dienstes fehlt ganz, weshalb die Diskussion als Insider-Urteil einseitig bleibt.

Sprecher:innen

  • Alastair Campbell – Ehemaliger Kommunikationsdirektor in Downing Street unter Tony Blair
  • Rory Stewart – Ehemaliger britischer Minister, Diplomat und Beamter