Martina Nieswandt und Roland Geschwill stellen im Podcast ihr Buch vor, mit dem sie Unternehmen zu aktiven Verteidiger:innen der offenen Gesellschaft machen wollen. Dabei wird die Demokratie am Arbeitsplatz als Gegenentwurf zu einem als bedrohlich dargestellten wirtschaftlichen und politischen Niedergang positioniert. Vor der Bundestagswahl 2025 habe sich die Wirtschaft zwar klar pro-demokratisch geäußert, diese Haltung aber nicht ausreichend in den eigenen Strukturen verankert. Unternehmen werden nicht nur als wirtschaftliche, sondern als zentrale gesellschaftspolitische Akteure verstanden, die eine Vorbildfunktion einnehmen müssten. Die Wirtschaft selbst wird als primärer Ort der Demokratievermittlung präsentiert, während die Rolle demokratischer Institutionen und zivilgesellschaftlicher Organisationen in den Hintergrund tritt.

Zentrale Punkte

  • Demokratisierung als Erfolgsgarant Unternehmen, die Entscheidungen breit auf Mitarbeiter:innen verteilten, seien wesentlich erfolgreicher. Dies zeige das Beispiel Spotify, wo Beschäftigte 70 Prozent der Entscheidungen genauso oder besser träfen als Führungskräfte.
  • Antidemokratie als Wohlstandsrisiko Die jüngste Wahl in Ungarn habe gezeigt, dass eine nationalistische, auf Klientelpolitik ("Kumpelwirtschaft") setzende Regierung das Land zum "Armenhaus Europas" gemacht habe. Es wird als Beweis angeführt, dass antidemokratische Kräfte das "erfolgreichste Wirtschaftsmodell" Deutschland ruinieren würden.

Einordnung

Das Gespräch liefert eine engagierte und schwungvoll vorgetragene Perspektive auf die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Die Verbindung von Betriebsratswahlen, aktuellen politischen Ereignissen und wissenschaftlichen Referenzen (u. a. einer Nobelpreisarbeit) erzeugt eine argumentative Dichte, die über ein reines Buchgespräch hinausgeht. Der Fokus auf die gelebte, oft widersprüchliche Praxis in Unternehmen statt auf leere Leitbilder verleiht dem Appell eine bodenständige Glaubwürdigkeit.

Allerdings wird demokratische Unternehmensführung fast ausschließlich als Effizienz- und Erfolgsinstrument bewertet – weniger als Wert an sich oder als Raum für unauflösbare Zielkonflikte. Komplexe gesellschaftliche Aushandlungsprozesse werden in die Logik betriebswirtschaftlicher Steuerung übersetzt. Die Perspektive der Beschäftigten erscheint dabei in erster Linie als Beleg für das Funktionieren des Modells, nicht als eigenständige, potenziell widerständige Stimme im Betrieb. Die Wirtschaft erscheint so als zentrale Problemlöserin, strukturelle Fragen nach Macht und Kapitalinteressen bleiben ausgeblendet.

Hörempfehlung: Für Führungskräfte und Berater:innen, die nach praktischen Anknüpfungspunkten suchen, um demokratische Werte und wirtschaftliches Handeln im eigenen Unternehmen zusammenzudenken.

Sprecher:innen

  • Martina Nieswandt – Professorin für BWL, Mitgründerin der "Denkwerkstatt für Manager"
  • Roland Geschwill – Mitgründer der "Denkwerkstatt für Manager", Autor und Berater