Die Episode des SWR-Podcasts „Das Wissen“ beleuchtet den gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und ökonomischen Umgang mit Naturkatastrophen in historischer Perspektive. Ausgehend von historischen Zäsuren wie dem Erdbeben von Lissabon 1755 und San Francisco 1906 wird nachgezeichnet, wie Umweltkrisen zu Katalysatoren für menschlichen Fortschritt werden. Dabei dominiert in der Erzählung eine Rahmung, die staatliches und marktwirtschaftliches Risikomanagement weitgehend als zivilisatorische Errungenschaften setzt. Gleichzeitig werde die abnehmende Eigenverantwortung und mangelnde individuelle Vorsorgebereitschaft in modernen Industriegesellschaften als psychologisches und gesellschaftliches Defizit problematisiert. ### Zentrale Punkte * **Katastrophen als Treiber** Historische Großbeben hätten zu einem Paradigmenwechsel geführt. Erklärungsmodelle seien von religiösen Strafgerichten hin zu seismologischer Wissenschaft und modernen Bauweisen verschoben worden. * **Ökonomisierung des Risikos** Die moderne Versicherungswirtschaft habe die Bewältigung von Naturgefahren professionalisiert. Durch Wahrscheinlichkeitsberechnungen würden globale Schäden strategisch kalkulierbar und bepreist. * **Menschliche Verantwortung** Es gäbe streng genommen keine Naturkatastrophen, sondern nur Extremereignisse. Diese würden erst durch menschliche Ansiedlung, wirtschaftliche Expansion und mangelnde Selbstvorsorge katastrophal. ### Einordnung Die Episode verknüpft elegant historische, soziologische und psychologische Perspektiven auf Krisen. Diskursiv auffällig ist jedoch die unkritische Übernahme ökonomischer Logiken: Die Versicherungswirtschaft wird als rein objektive, rationale Lösungsinstanz gerahmt, bis hin zur unhinterfragten Reproduktion einer heroischen Firmenlegende der Münchner Rück. Zudem wird schnelles politisches Handeln nach Krisen teils delegitimiert, wenn der deutsche Atomausstieg unhinterfragt als „populistische Politik“ abgewertet wird. Letztlich verengt die Argumentation strukturelle Klimafolgenanpassung stark auf die Resilienz des Individuums. ### Sprecher:innen * **Konstantin Schönfelder** – Autor der Episode * **Nikolai Hannich** – Historiker * **Tobias Grimm** – Chief Climate Scientist bei der Münchner Rück * **Eva Horn** – Kultur- und Literaturwissenschaftlerin * **Anna Heidenreich** – Umweltpsychologin * **Ricardo Clemente** – Direktor des Quake Museum, Lissabon