Der vom Verfassungsblog publizierte Newsletter porträtiert das Leben von Zheng Yuxiu, der ersten chinesischen Anwältin und Richterin. Der Text verortet ihren Werdegang in den politischen Umbrüchen Chinas im frühen 20. Jahrhundert. Yuxiu habe sich früh traditionellen Zwängen wie dem Füßebinden widersetzt. Durch Auslandsaufenthalte in Japan und Frankreich sei sie mit revolutionären, antiimperialistischen Ideen in Kontakt gekommen. Ihre Teilnahme an der Pariser Friedenskonferenz 1919 bilde einen Wendepunkt. Obwohl China die Souveränität über die Provinz Shandong nicht zurückerlangte, festigte diese Erfahrung Yuxius Überzeugung, dass Völkerrecht entscheidend für Chinas Souveränität sei. In ihrer in Frankreich publizierten Dissertation untersuchte sie die Verfassung der jungen chinesischen Republik, um das Land als gleichberechtigten Partner zu etablieren. Nach der Rückkehr nach China habe sie eine Kanzlei gegründet und die Nationalistische Partei (KMT) unterstützt. Ihr größter politischer Erfolg sei die Mitarbeit in der Zivilrechtskommission gewesen. Der Newsletter attestiert ihr eine historische Rolle, da der Entwurf "die Gleichstellung der Geschlechter in fast allen relevanten Bereichen des Zivilrechts" vorgesehen habe. Nach dem Sieg der Kommunistischen Partei floh Yuxiu ins US-Exil, wo sie 1949 verstarb. ## Einordnung Der Kurzbeitrag besticht durch eine sachliche Erzählweise, die Rechtshistorie eng mit einer biographischen Emanzipationsgeschichte verknüpft. Das Framing fokussiert sich stark auf das Narrativ der westlich orientierten Elite als treibende Kraft der Modernisierung. Die Perspektive der einfachen Bevölkerung oder der kommunistischen Gegenspieler:innen bleibt weitgehend ausgeblendet. Die Quellenbasis ist mit Verweisen auf die Bundeszentrale für politische Bildung und entsprechende Fachliteratur solide. Es fehlt jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der KMT, deren autoritäre Züge zugunsten der positiven Darstellung Yuxius unerwähnt bleiben. Der Text ist für Jurist:innen, Historiker:innen und an feministischer Rechtsgeschichte interessierte Leser:innen eine absolute Leseempfehlung. Er macht eine im westlichen Diskurs oft übersehene Pionierin sichtbar und verdeutlicht eindrucksvoll den historischen Kampf um juristische Emanzipation.