Derzeit wird nur die Website von NIUS berücksichtigt - keine YouTube-Videos. Andreas Lombard hat den islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD am Samstag instrumentalisiert, um Friedrich Merz, die queere Bewegung und die politischen Eliten des „Verrats an Deutschland“ zu bezichtigen.

Lombards langer Kommentar ist eine Generalabrechnung, getarnt als Trauerrede-Kritik. Er nimmt Merzʼ Satz, dass schon „dumme Redensarten, schlechte Witze“ Teil der Gewalt seien, und unterstellt dem Kanzler eine Drohung gegen konservative Kritiker der „Queer- und Transgenderideologie“. Diese sei ein „Angriff auf die natürliche Genealogie“, und islamistischer Terror habe mit ihr nichts zu tun. Der eigentliche Feind stehe rechts: die „wirklich konservativen und meist christlichen Kritiker“.

Damit vollzieht Lombard eine vollständige Täter-Opfer-Umkehr. Der islamistische Mörder verschwindet hinter dem angeblichen Propagandafeldzug eines „antinationalen, antifamiliären und antichristlichen“ Establishments. Merz kündige ein „hartes Regime gegen Widerstand aus dem eigenen Volk“ an, die Vorwürfe gegen Konservative seien eine „infame Lüge an der Grenze zur Volksverhetzung“. Lombard malt einen Existenzkampf: Der Staat liefere das Land seinen wahren Feinden aus, das Volk erleide einen Verrat, den nur noch die historische Analogie zum Untergang des Nationalstaats fassen könne.

Es ist die argumentative Vorlage für eine komplette Solidarisierung mit der AfD, deren Einstufung als rechtsextrem Lombard zum Ausweis der Verfolgung umdeutet. Die Queer-Community erscheint als nützliche Idiotin einer Elite, die aus unerfindlichen Gründen Rache am eigenen Volk übe.

Flankiert wurde dieser Generalangriff von einem Porträt über John Cleese, der für die Partei „Restore Britain“ wirbt – eine Formation, die 1,8 Millionen Menschen abschieben will. Cleese wird als mutmaßlicher Liberaler inszeniert, den die „Islamisierung“ und der „Wokismus“ nach rechts getrieben hätten. Seine Selbstbeschreibung als „Kulturalist“, der Kulturen hierarchisieren dürfe, wird kritiklos präsentiert. Die Bezüge zu Deutschland („davon eine ganze Menge abschneiden“) machen den Text zum Plädoyer für eine migrationsfeindliche Wende. Ein weiterer Kommentar zum Dark-Romance-Hype lieferte das sattsam bekannte Feindbild der verklemmten Feministin gleich mit. Dass NIUS einen „exklusiven“ Bericht über einen blutigen Antifa-Angriff auf ein AfD-Jugendmitglied an die Spitze des Tages stellte, komplettierte das Opfernarrativ: Bilder eines blutüberströmten Gesichts als Beleg für linke Gewalt. Ein Thementag, der das rechte Opferbewusstsein mit maximaler Wucht bediente.

Begriffe & Frames des Tages

  • „Verrat an Deutschland“

    „Das Establishment, das höchstselbst die offene Gesellschaft mit der Masseneinwanderung zerstört, zeigt mit dem Finger auf deren Kritiker und wirft ihnen Verrat an der freiheitlichen Demokratie vor.“ Lombard etabliert den Begriff nicht als Beschreibung, sondern als Forderung. Wer den Status quo der Migrations- und Geschlechterpolitik verteidigt, begeht demnach Landesverrat. Der Frame soll den politischen Gegner kriminalisieren und das rechte Lager zur einzig legitimen nationalen Kraft erklären.

  • „Kulturalist“

    „Ich bin kein Rassist, sondern ein Kulturalist. Ich glaube, dass manche Kulturen besser sind als andere.“ Cleeses Selbstbezeichnung, von NIUS prominent zitiert, soll die Forderung nach kultureller Ungleichbehandlung vom Rassismusvorwurf reinwaschen. Der Begriff tarnt rassistische Hierarchisierung als legitime kulturkritische Haltung und bietet sich als neues Schlagwort für migrationsfeindliche Diskurse an.

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