NIUS inszeniert die Ermordung des britischen Studenten Henry Nowak als Rassismus-Eklat, attackiert die Klimabewegung als „Wettersozialismus“ und jubelt über Alexander Zverevs Grand-Slam-Sieg – während Pharma-Riesen Milliardeninvestitionen streichen. Die Deindustrialisierung wird als Folge „grüner Ideologie“ verkauft, während rassistische Opfererzählungen zur Kampagnenstrategie werden.

Am Samstag dominierten bei NIUS drei zentral ineinandergreifende Narrative: Die rassistische Opfererzählung um Henry Nowak, die Diffamierung der Klimabewegung als „apokalyptische Propaganda“ und die Selbstviktimisierung der Redaktion als „Zensur-Opfer“. Parallel wurde die Deindustrialisierung als Argument gegen „grüne Ideologie“ instrumentalisiert, während positive Meldungen wie Zverevs Grand-Slam-Sieg als Symbol für „deutsche Ordnungserfolge“ gefeiert wurden.

Der Fall Nowak, der bereits in den Vortagen als zentrales Kampagnen-Element genutzt worden war, wurde erneut aufgegriffen – diesmal in einem Videoformat, das die rassistische Dimension der Tat systematisch ignorierte. Stattdessen wurde der Fall als Beleg für eine angebliche „Systematik der Gewalt gegen weiße Männer“ inszeniert. Parallel dazu attackierte NIUS die Klimabewegung als „Wettersozialismus“ und präsentierte Al Gores Dokumentation als Beweis für die „Verzerrung“ wissenschaftlicher Debatten. Die Wirtschaftskrise wurde als Folge „grüner Energiepolitik“ verkauft, während gleichzeitig Pharma-Konzerne ihre Investitionen in Deutschland halbierten.

Deindustrialisierung als Folge „grüner Ideologie“

Andreas Morings Artikel über den Investitionsstopp von Pharmakonzernen wie Eli Lilly und Boehringer Ingelheim folgt einer klassischen Deindustrialisierungs-Propaganda: Die Abwanderung von Investitionen wird nicht als globales Wirtschaftstrend, sondern als Folge „grüner“ Energie- und Gesundheitspolitik dargestellt. Dabei wird die geplante Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsministerin Warken als Hauptgrund für die Abkehr von Deutschland genannt – ein Frame, der komplexe wirtschaftliche Entscheidungen auf eine angebliche „Ideologiedominanz“ reduziert.

„Die nächste Innovation geht nach Lage der Dinge aktuell nicht nach Deutschland.“ Médard Schoenmaeckers, Deutschlandchef von Boehringer Ingelheim

Moring ignoriert dabei, dass die Investitionsentscheidungen auch auf globale Marktbedingungen und US-Subventionen (z. B. Inflation Reduction Act) zurückgehen. Stattdessen wird die Wirtschaftskrise als hausgemachtes Problem der „Merz-Regierung“ verkauft – ein Frame, der bereits in den Vortagen als zentrales Narrativ etabliert wurde. Die Pharmaindustrie, eine der Top-5-Exportbranchen Deutschlands, wird dabei zum Symbol für den angeblichen Niedergang des Industriestandorts.

Rassistische Opfererzählung: Nowak als „weißes Opfer“

Marc Sierzputowskis Video-Feature zum Begriff „Zigeuner“ setzt auf eine klassische Opfer-Täter-Umkehr: Statt die rassistische Dimension des Falls Nowak (Täter: ein Sikh) zu thematisieren, wird der Fall genutzt, um eine generelle „Diskriminierung weißer Männer“ zu behaupten. Dies wird mit Zitaten von Roma kontrastiert, die sich selbst als „Zigeuner“ bezeichnen – ein Frame, der die rassistische Dimension der Debatte verschleiert und stattdessen eine kulturelle Relativierung von Rassismus betreibt.

„Ich bin richtiger Zigeuner.“ Anonym, befragte Person in Berlin

Der Artikel folgt damit einem doppelten Mechanismus: Erstens wird Rassismus als „diffuser Begriff“ dargestellt, der von Betroffenen selbst definiert werden kann – eine Strategie, die es NIUS ermöglicht, rassistische Narrative als „Meinungsfreiheit“ zu verkaufen. Zweitens wird die Schuld für strukturellen Rassismus bei den „Opfern“ gesucht, etwa wenn Göckens Kritik am Bürgergeld als „Diffamierung“ des Jobcenters dargestellt wird.

Klimaleugnung als Kampf gegen „Wettersozialismus“

Felix Perreforts Artikel über Al Gores Klimadoku folgt einem klimaleugnerischen Narrativ, das wissenschaftliche Konsense als „Ideologie“ diffamiert. Gore wird als zentraler „Propagandist“ einer „apokalyptischen Angst“ dargestellt, während Klimawissenschaftler als „ideologisch verzerrt“ denunziert werden. Der Frame zielt darauf ab, Klimaschutz als „Wettersozialismus“ zu diskreditieren und damit politische Maßnahmen zur Dekarbonisierung zu delegitimieren.

„Das ist keine Naturwissenschaft mehr, das ist Ideologie.“ Gerd Ganteför, Physiker

Perrefort ignoriert dabei die wissenschaftliche Konsenslage des IPCC und reduziert die Klimadebatte auf eine angebliche „Manipulation“ durch Bilder und Emotionen. Greta Thunbergs Schulstreik wird als Folge dieser „Hypnose“ dargestellt – ein Frame, der junge Klimaktivist:innen als Opfer einer „Ideologisierung“ inszeniert und damit ihre politischen Forderungen entpolitisiert.

Sport als Symbol für „deutsche Ordnung“

Während die Wirtschaft flüchtet und Rassismus instrumentalisiert wird, feiert NIUS den Grand-Slam-Sieg von Alexander Zverev als Symbol für „deutsche Disziplin und Ordnung“. Der Sieg wird als Triumph über „Chaos“ (symbolisiert durch den Italiener Cobolli) dargestellt und folgt damit einem kulturellen Leistungsnarrativ, das Sport als Metapher für nationale Identität nutzt.

„Alexander Zverev hat bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen – und das nach einer Viereinviertel-Stunden-Schlacht.“

Dieser Frame steht im Kontrast zu den wirtschaftspolitischen Artikeln, in denen „Ordnung“ und „Disziplin“ als Gegenentwürfe zu „grüner Ideologie“ verkauft werden. Sport wird damit zum kulturellen Kampffeld, auf dem NIUS seine Narrative von „Leistung“, „Ordnung“ und „nationaler Identität“ bestätigt.

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