NIUS-Watch: NIUS-Watch – „Lügen-Lanz“, Chrupalla als Opfer & das „Horror-Zensur-Gesetz“
Analyse vom 16.01.2026: Nius eskaliert den Konflikt mit dem ÖRR, stilisiert ein Transparenzgesetz zur „Spiegel-Affäre 2.0“ und verteidigt Tino Chrupalla gegen RB Leipzig.
NIUS-Watch
**Der Kampf gegen die etablierten Medien wird zur persönlichen Fehde: Julian Reichelt nutzt private Telefonprotokolle, um das ZDF der „Zersetzung“ zu bezichtigen.**
Die Auseinandersetzung mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk erreichte am Freitag eine neue Eskalationsstufe, die den Bereich der Medienkritik verlässt und ins Persönliche kippt. Julian Reichelt warf Markus Lanz vor, sein Publikum gezielt anzulügen („Propaganda-Lüge“), indem dieser in seiner Sendung abstritt, dass Daniel Günther ein Verbot von NIUS gefordert habe. Um dies zu „beweisen“, brach Reichelt ein journalistisches Tabu und veröffentlichte Inhalte eines vertraulichen Telefonats mit Lanz vom 8. Januar. Die Inszenierung war theatralisch: Reichelt hielt sein Handy in die Kamera, um die Anrufdauer zu belegen, und behauptete, Lanz habe ihm privat zugestimmt, dass Günther Zensur wolle, nur um öffentlich dem „Druck des Systems“ nachzugeben. Diese Strategie dient der totalen Delegitimierung: Der politische Gegner (hier der ÖRR-Moderator) wird nicht als irrend, sondern als charakterlich gebrochener Erfüllungsgehilfe „düsterer Mächte“ dargestellt, der aus Angst um seinen Job die Realität leugnet.
Parallel dazu fuhr NIUS eine Kampagne gegen das „Politische Werbung Transparenzgesetz“, das im NIUS-Sprech zum „Horror-Zensur-Gesetz“ mutierte. Die juristische Einordnung übernahm Joachim Steinhöfel, der das Vorhaben, politische Werbung transparenter zu machen, zur „Spiegel-Affäre in Gesetzesform“ aufblies. Das Narrativ: Der Staat wolle sich durch „wildgewordene Beamte“ Zutritt zu Redaktionsräumen verschaffen, um Regierungskritik zu unterbinden. Dass die CDU Bedenken anmeldete, reklamierte NIUS sofort als eigenen Erfolg („NIUS wirkt“). Hier zeigt sich die Selbstwahrnehmung der Plattform nicht mehr nur als Beobachter, sondern als aktivistischer Akteur, der Gesetzgebungsverfahren durch Alarmismus stoppen kann.
In der Berichterstattung über die AfD vollzog sich der Schulterschluss über das Opfer-Narrativ. Dass RB Leipzig dem AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla den Zutritt zur VIP-Loge verwehrte, framte Reporter Jan Karon als politisch motivierte „Cancel Culture“ und „Gesinnungsprüfung“. Karon suggerierte, das BKA habe interveniert oder der Verein wolle „schlechte Bilder“ vermeiden. Die Ausladung eines Rechtspopulisten durch ein privates Unternehmen wurde so zum staatlich geduldeten Unrecht umgedeutet. Flankiert wurde dies durch einen Clip zum Bürgergeld, in dem der Begriff „Einzelfall“ als „linke Chiffre“ entlarvt werden sollte: Sozialbetrug wurde hier exklusiv mit „Clans“ und Migration verknüpft, um das Bild eines ausgeplünderten Sozialstaats zu zeichnen.
### Begriffe & Frames des Tages:
* **„Zersetzung“ / „Propaganda-Lüge“**
> „Das sind die politischen Mittel der Zersetzung. [...] Die Wahrheit soll zertrümmert, die Wahrheit soll vernichtet werden.“
Reichelt nutzt den historisch schwer belasteten Begriff der „Zersetzung“ (eine Methode der Stasi zur psychischen Zerstörung politischer Gegner), um das Verhalten von Markus Lanz und dem ZDF zu beschreiben. Damit wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk rhetorisch mit einem totalitären Geheimdienst gleichgesetzt.
* **„Horror-Zensur-Gesetz“ / „Spiegel-Affäre in Gesetzesform“**
> „Der Spiegelskandal wird in Gesetzesform gegossen. [...] Das ist ein Fangschuss für die Meinungs- und Pressefreiheit.“
Ein Gesetz zur Transparenz politischer Werbung wird als Ermächtigung für willkürliche Razzien in Redaktionen geframt. Durch den Vergleich mit der Spiegel-Affäre 1962 (Augstein-Verhaftung) wird eine akute Gefahr für die Demokratie suggeriert, die nur durch NIUS abgewendet worden sei.
* **„Massenvernichtungswaffe gegen die Seele“**
> „Meine exakten Worte waren: [Social Media] als Massenvernichtungswaffe gegen die Seele unserer Kinder.“
Reichelt zitiert sich selbst aus dem privaten Gespräch mit Lanz. Die martialische Metapher dient dazu, NIUS als moralisch überlegen und besorgt um das Kindeswohl darzustellen, während der Gegner diese Sorge angeblich nur heuchlerisch vorschiebt.
### Relevante Beiträge
* **Nach Günther-Skandal: Was Markus Lanz privat sagte und jetzt leugnet**
`09:59 | 16.01.2026 | 59:36 min`
Das Hauptstück des Tages. Reichelt veröffentlicht Inhalte eines privaten Telefonats mit Lanz, um diesen der Lüge zu überführen. Massive Rhetorik der „Zersetzung“ und Verschwörung („düstere Mächte“). [Link](https://www.youtube.com/watch?v=FRgZrM-jifU)
* **CDU rudert beim Zensur-Gesetz zurück – Steinhöfel erklärt wieso**
`13:00 | 16.01.2026 | 23:44 min`
Steinhöfel und Reichelt feiern sich dafür, ein Gesetz gestoppt zu haben. Framing als „Spiegel-Affäre 2.0“. Die CDU wird gelobt, weil sie auf NIUS gehört habe. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=HVf4xx0mneQ)
* **RB Leipzig cancelt 12 Tickets für Chrupalla für Bayern-Spiel**
`19:00 | 16.01.2026 | 13:46 min`
Jan Karon berichtet über die Ausladung Chrupallas. Das Vorgehen des Vereins wird als illegitime politische Diskriminierung dargestellt, Chrupalla als Opfer einer „Gesinnungsprüfung“. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=6qzwY7oHsng)
* **„Einzelfall“ ist immer eine linke Chiffre**
`16:01 | 16.01.2026 | 01:23 min`
Framing von Sozialbetrug als importiertes Problem („Clans“). Der Begriff „Einzelfall“ wird als Lüge der Linken markiert, um strukturelle Probleme durch Migration zu verschleiern. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=tsSAjXeUz0U)