Derzeit wird nur die Website von NIUS berücksichtigt – keine YouTube-Videos. „Antisemit der Woche" – mit dieser Auszeichnung, der „Goldenen Wassermelone", überzieht NIUS-Autor Claudio Casula den ARD-Journalisten Georg Restle. Der Grund: Restle hatte einen US-amerikanischen Artikel geteilt, der auch eine Rolle Israels beim Migrantenansturm auf Ceuta diskutiert.
Der Freitag stand bei NIUS im Zeichen der Ceuta-Krise – und im Zeichen einer persönlichen Kampagne gegen einen prominenten Kritiker. Aus der allgemeinen politischen Berichterstattung sticht ein Text hervor, der den rhetorischen Mechanismus von NIUS in Reinkultur zeigt: die Umwandlung eines geteilten Links in einen antisemitischen Skandal. Claudio Casula nahm sich den ARD-Journalisten Georg Restle vor, weil dieser auf X einen Beitrag des US-Magazins The Nation geteilt hatte. Der Originalartikel von Professor Stephen Zunes analysiert das Zusammenspiel Marokkos, der USA und Israels und deren mögliche Motive, die spanische Regierung zu schwächen. Zunes liefert dafür keine Beweise – ein typischer geostrategischer Meinungsbeitrag. Restle teilte ihn kommentarlos.
Casula macht daraus eine Anklage: Restle verbreite eine „Verschwörungstheorie", nach der Israel und die USA hinter der „Ceuta-Invasion" steckten, und stilisiert ihn zum „Antisemiten der Woche". Der Text setzt Restle mit den iranischen Mullahs gleich, die vom „großen und dem kleinen Satan" sprächen, und konstruiert eine jahrelange Kampagne Restles gegen Israel – inklusive einer Relativierung des Hamas-Terrors und der Verwendung eines Faktenchecks zu einem Foto. Die Struktur ist ein klassischer ad-hominem-Rundumschlag: Wer israelische Regierungspolitik in einen geopolitischen Kontext stellt und teilt, wird zum Judenfeind. Diese Gleichsetzung von Israel-Kritik mit Antisemitismus ist keine Analyse, sondern eine politische Keule.
Die Ceuta-Berichterstattung selbst war auf Volumen getrimmt. Helena Gebhard zeichnete in ihrer Reportage das Bild einer belagerten Exklave und sprach von „hybrider Kriegsführung" mit Migranten als Waffe. Frank W. Haubold verknüpfte in seiner Analyse die Vorgänge mit einer Generalabrechnung über die deutsche Entwicklungshilfe und Fachkräfte-Lüge. Alexander Kissler dachte in seinem „Kissler Kompakt" über den „Volkskörper" nach, referierte Thilo Sarrazins Warnungen vor einer „Umvolkung" und ließ die Frage im Raum stehen, ob das deutsche Volk überhaupt gefragt worden sei, ob es zu „neuen Deutschen" werden wolle. Das ist die Reanimierung eines klar NS-belasteten Begriffs, ohne ihn sich direkt zu eigen zu machen – die klassische Dog-Whistle-Strategie.
Flankiert wurde diese thematische Klammer von einer für NIUS auffälligen Interpretation des ARD-Deutschlandtrends, die eine Mehrheit gegen die „Brandmauer" zur AfD ausmachte. Dazwischen lagen Füller von einem Swinger-Politiker in Mannheim bis zu Bürgeramtskosten in Berlin sowie ein reiner NIUS-Live-Teaser, der den Freibad-Diskurs des Vortages weiterbewarb. Wirtschaftsnachrichten zu Daimler Truck und enttäuschenden Steuerentlastungen rundeten das Bild eines Tages ab, der mit einer persönlichen Hexenjagd auf einen der exponiertesten ARD-Journalisten seinen schärfsten Akzent setzte.
Begriffe & Frames des Tages
-
„Antisemit der Woche"
„In Zeiten grassierender Judenfeindlichkeit, die längst auch in Teilen der Politik angekommen ist, wollen wir die schlimmsten Ausfälle sichtbar machen. Dafür verleiht NIUS jeden Freitag die ‚Goldene Wassermelone'." NIUS institutionalisiert eine persönliche Schand-Säule und nutzt die Palästina-Solidaritäts-Farben als Stigma. Die Rubrik delegitimiert nicht nur die Zielperson, sondern erhebt NIUS selbst zum moralischen Richter in einer hochkomplexen Debatte.
-
„Volkskörper"
„Aber die totale Veränderung des ‚Volkskörpers' – das sage ich jetzt mal bewusst – durch Entwicklungen, die sich aus Migration und Geburtenarmut ergeben, die ist eben Fakt." Kissler zitiert Sarrazin, der sich mit einer Schein-Distanzierung („sage ich jetzt mal bewusst") eines anthropologisierenden NS-Begriffs bedient. Die Formulierung entmenschlicht das demografische Argument zu einer Frage der ethnischen Substanz.
Relevante Artikel
-
Ceuta-Kampagne und Restle-Hatz (4 Beiträge)
Website7:14–13:53 Uhr | 7.8.2026Die Ceuta-Reportagen von Gebhard und Haubold schüren Bedrohungsängste, während Casula mit der „Goldenen Wassermelone" eine persönliche Hetzkampagne gegen einen ARD-Journalisten startet und das Teilen eines Artikels als antisemitische „Verschwörungstheorie" brandmarkt. Link 1 | Link 2 | Link 3 | Link 4 -
Kissler und die „Umvolkung"
Website8:21 Uhr | 7.8.2026Kissler reanimiert den NS-belasteten Begriff des „Volkskörpers" und rahmt Zuwanderung als ungefragtes Elitenprojekt zur Zerstörung des angestammten Deutschlands. Link -
ARD-Deutschlandtrend: Brandmauer-Bruch
Website5:44 Uhr | 7.8.2026NIUS interpretiert eine Umfrage als Mehrheitsvotum gegen die Abgrenzung zur AfD und untermauert die These vom politischen Mainstream, der sich von den etablierten Parteien abwendet. Link