**Nius nutzte den Montag, um die Proteste gegen die AfD-Jugend in Gießen als linksextremen Aufstand zu inszenieren und parallel die Angriffe auf Bundeskanzler Friedrich Merz als schwach und unglaubwürdig zu verschärfen.** Der YouTube-Kanal von Nius widmete sich gestern schwerpunktmäßig den Auseinandersetzungen in Gießen. In mehreren, teils langen Beiträgen wurde ein einheitliches Bild gezeichnet: Ein „linker Mob“ und „Schlägertrupps“ hätten die Stadt „regelrecht eingenommen“ und eine „totale Machtübernahme auf der Straße“ vollzogen. Julian Reichelt zog in der Sendung „NIUS Live“ einen direkten Vergleich zur SA der Nationalsozialisten, deren Aufgabe es gewesen sei, politische Veranstaltungen des Gegners zu unterbinden. Diese historische Gleichsetzung diente dazu, die Proteste zu delegitimieren und als faschistoid darzustellen. Gleichzeitig wurde die Äußerung von Friedrich Merz, es habe Auseinandersetzungen zwischen „ganz links und ganz rechts“ gegeben, als „Lüge“ und „Täter-Opfer Umkehr“ attackiert. Damit verfolgte Nius eine Doppelstrategie: die Dämonisierung des politischen Gegners als gewalttätig und die Darstellung des Kanzlers als Realitätsverweigerer. Parallel dazu setzte Nius die bereits am Vortag beobachtete Demontage von Friedrich Merz fort. Aufbauend auf dem Frame des „nackten Kaisers“ wurde Merz nun als „die lebende Piñata der SPD“ bezeichnet, auf die jeder „drauf dreschen“ dürfe. Anlass war eine Rede von SPD-Chefin Bärbel Bas, die Nius als Kampfansage und Demütigung für den Kanzler interpretierte. Ein weiterer Beitrag griff eine ältere Aussage von Merz auf, in der er einen Vorschlag der Grünen zur Rentenfinanzierung als „Schnapsidee“ bezeichnete – eine Idee, die nun in einem Papier seiner eigenen Regierung auftaucht. Nius stellte dies als ultimativen Beweis für die Unglaubwürdigkeit des Kanzlers dar, dem man „kein Wort glauben“ könne. Beide Narrative – der angebliche „linke Terror“ auf der Straße und der führungsschwache Kanzler – wurden miteinander verwoben. Ein Kommentator behauptete, die Gewalt in Gießen sei die „Saat des Bundespräsidenten“, der mit seinem Aufruf „tun wir, was getan werden muss“ die Legitimation geliefert habe. Systematisch ausgeblendet wurde dabei der Anlass der Proteste: die Gründung einer als rechtsextrem eingestuften Jugendorganisation. Der Staat und seine Repräsentanten werden so als mitschuldig oder unfähig dargestellt, während die konservative Regierung als prinzipienlos erscheint. Nius positioniert sich damit als einzige konsequente Kraft gegen beide Phänomene. ### Begriffe & Frames des Tages: * **Vergleich mit der SA** > "Wenn das hier umgekehrt wäre, dann würde man vollkommen zurecht Parallelen und Vergleiche zur SA ziehen. [...] Das war die Aufgabe dieser Sturmtrupps." In der Sendung „NIUS Live“ zog Julian Reichelt diesen Vergleich, um die Proteste in Gießen zu rahmen. Die Aktionen der Demonstrierenden werden damit historisch mit den Methoden der Nationalsozialisten gleichgesetzt. Dieser Frame dient dazu, die Proteste nicht nur als kriminell, sondern als totalitär und antidemokratisch im Kern darzustellen. * **Die Saat des Bundespräsidenten** > "Das war die Saat, die der Bundespräsident gelegt hat und die ist aufgegangen." Mit diesem Zitat aus einem kurzen Clip wird eine direkte Kausalität zwischen einer Rede von Bundespräsident Steinmeier und der Gewalt in Gießen konstruiert. Der Frame suggeriert, dass die höchste staatliche Autorität linke Gewalt legitimiert und gefördert habe, was den Staat als Ganzes diskreditiert. * **Lebende Piñata der SPD** > "Friedrich Merz ist einfach die lebende Piñata der SPD geworden, auf die jeder jeden Tag drauf dreschen darf." Diese Metapher, verwendet in einem Kommentar zur Auseinandersetzung zwischen Friedrich Merz und Bärbel Bas, zeichnet das Bild eines völlig wehr- und willenlosen Kanzlers. Der Frame baut auf der Erzählung vom „nackten Kaiser“ auf und verstärkt das Narrativ der Führungsschwäche und mangelnden Durchsetzungskraft der CDU unter Merz. ### Relevante Beiträge * **Eskalation in Gießen: Linker Mob wütet gegen die neue AfD-Jugend | NIUS Live vom 01. Dezember 2025** `10:10 | 01.12.2025 | 18:40 min` In diesem zentralen Beitrag zur Gießen-Kampagne werden die Proteste als „beispiellose Enthemmung“ und „Machtübernahme auf der Straße“ durch „linke Schlägertrupps“ dargestellt. Julian Reichelt vergleicht die Methoden der Demonstrierenden mit denen der SA. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=TctN9bE7_-w) * **Bärbel Bas: SPD-Chefin zerlegt Merz und ruft zum Klassenkampf auf | NIUS Live vom 01. Dezember 2025** `15:00 | 01.12.2025 | 10:00 min` Der Beitrag nutzt eine Rede von SPD-Chefin Bärbel Bas, um Friedrich Merz als schwach und gedemütigt darzustellen. Hier fällt der Begriff der „lebenden Piñata“, um die angebliche Machtlosigkeit des Kanzlers innerhalb der Koalition zu illustrieren. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=61PpTVhJGAM) * **„Der Bundespräsident hat die Saat gelegt“** `11:30 | 01.12.2025 | 01:11 min` Ein Kommentator gibt Bundespräsident Steinmeier die direkte Verantwortung für die Eskalation in Gießen. Seine frühere Aussage „tun wir, was getan werden muss“ wird als Aufruf zur Gewalt gegen Rechts umgedeutet. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=jqdAqQdLyns) * **„Schnapsidee“ – jetzt von Merz selbst?** `10:50 | 01.12.2025 | 01:10 min` Der Clip konfrontiert Friedrich Merz mit einer eigenen, älteren Aussage, in der er einen Renten-Vorschlag als „Schnapsidee“ und „Unsinn“ bezeichnete. Nius stellt heraus, dass genau dieser Vorschlag nun von Merz' eigener Regierung geprüft wird, um seine Unglaubwürdigkeit zu belegen. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=cxoXB-_-3u8)