„Die Schlacht der langen Männer“ – Merz gegen Döpfner, Uni-Aktivisten gegen AfD, und die WM als politischer Spielball. NIUS inszeniert einen Medienkrieg um Deutungshoheit.
Am Dienstag dominierten bei NIUS drei zentrale Narrativstränge: Der Medienkrieg zwischen Friedrich Merz und Axel Springer, die Kampagne gegen „Wissenschaft gegen Faschismus“ sowie die Doppelmoral in der Hausbesetzer-Politik Potsdams. Parallel nutzte NIUS Sport- und Auslandsmeldungen, um migrationskritische und klimaskeptische Frames zu festigen. Die „Statistik der Gewalt gegen CDU/CSU“ wurde dabei als Beleg für eine angebliche „Zivilgesellschafts-Gewalt“ instrumentalisiert – ein Begriff, der seit Wochen als zentraler Kampfbegriff der rechten Debatte dient.
Merz vs. Springer: Die Inszenierung eines Medienkriegs
Claudio Casulas Text „Die Schlacht der langen Männer“ (Politik/friedrich-merz-mathias-doepfner-schlacht-der-langen-maenner) folgt einer klaren Opfer-Täter-Drehung: Friedrich Merz wird als „von Kritik zermürbtes Opfer einer Verschwörung“ dargestellt, während Mathias Döpfner als „mächtiger Medienmanager“ diffamiert wird, der Merz für einen „Totalversager“ hält. Der Artikel nutzt dabei eine rhetorische Eskalation, um den Konflikt als „Kampf der Giganten“ zu inszenieren – eine Strategie, die direkt an die rechte Mediennarrative („Systempresse vs. mutige Wahrheitssucher“) anknüpft.
„Merz verwechselt das mit Feindseligkeit und wittert eine Verschwörung von rechts.“ (Claudio Casula)
Casula konstruiert hier eine falsche Dichotomie: Einerseits wird Merz’ angebliche „Verschwörungstheorie“ (er vermutet eine Intrige von Friede Springer, beeinflusst von Angela Merkel) als „Paranoia“ dargestellt – andererseits wird die kritische Berichterstattung von Bild und Welt als „feindselig“ denunziert. Der Artikel ignoriert dabei, dass Merz’ „Brandmauer“-Politik selbst Gegenstand der Kritik war, etwa wenn Ulf Poschardt in der Welt die CDU als „nicht mehr bürgerlich“ bezeichnet.
Der Frame „Medien vs. Politik“ wird bei NIUS systematisch genutzt, um Merz als „Opfer des Establishments“ zu stilisieren – ein Narrativ, das direkt an die rechte Opfererzählung („Die da oben gegen uns“) anknüpft. Dass Merz selbst Teil dieses Establishments ist, wird dabei ignoriert.
„Wissenschaft gegen Faschismus“: Die Kampagne gegen Uni-Aktivisten
Alexander Kisslers Kommentar „Universitäten kämpfen mit ‚Wissenschaft gegen Faschismus‘ gegen die AfD: Das ist eine Grenzüberschreitung“ (Kissler Kompakt/universitaeten-kaempfen-gegen-die-afd-das-ist-eine-grenzueberschreitung) folgt einer klassischen Kulturkampf-Strategie: Die AfD wird als „Opfer universitärer Denunziationskampagnen“ dargestellt, während linke Aktivist:innen als „Faschismus-Jäger“ diffamiert werden.
„Eine AfD-Alleinregierung in Magdeburg würde den ‚faschistischen Umbau unserer Gesellschaft‘ einläuten. Das sind zu große Worte.“ (Alexander Kissler)
Kissler nutzt dabei eine rhetorische Relativierung:
- Die AfD wird als „demokratisch legitimierte Partei“ dargestellt, die durch „wissenschaftliche Aktivisten“ diffamiert wird.
- Die „Wissenschaft gegen Faschismus“-Kampagne wird als „Aktivismus“ denunziert, der die „Wissenschaftlichkeit“ der Hochschulen untergräbt.
- Die „Grenzen der Wissenschaft“ werden dabei willkürlich gezogen: Kissler ignoriert, dass die AfD selbst „völkische“ und „migrationsfeindliche“ Positionen vertritt, die als „faschistische Gefahr“ diskutiert werden.
Der Artikel folgt damit einem doppelten Mechanismus:
- Opfer-Täter-Umkehr: Die AfD wird als „verfolgte Minderheit“ dargestellt, während linke Aktivist:innen als „Zensoren“ diffamiert werden.
- Relativierung von Rassismus: Die „30 % Rassisten in Deutschland“ (laut Naika Foroutan) werden als „ideologische Übertreibung“ dargestellt – obwohl Foroutan selbst diese Aussage als „soziale Realität“ begründet.
Kisslers Kommentar steht damit im Kontext der NIUS-Kampagne gegen „Woke“ und „Gender-Ideologie“ und dient als Stichwortgeber für rechte Debatten über „Denkverbote“ in der Wissenschaft.
Potsdamer Hausbesetzer-Doppelmoral: Ein Projekt darf, das andere nicht
Der investigativ aufgemachte Text „Potsdam räumt neue Hausbesetzung nach wenigen Tagen – aber duldet linkes Hausprojekt seit fast 18 Jahren“ (Gesellschaft/potsdam-hausbesetzung-hausprojekt-la-datscha) nutzt die Doppelmoral in Potsdams Hausbesetzer-Politik, um linke Aktivist:innen als „Heuchler“ darzustellen. Während ein besetzes Haus in der Tornowstraße nach wenigen Tagen geräumt wird, darf das „La Datscha“ seit 2008 unangetastet bleiben – obwohl beide Projekte dem Verfassungsschutz als Treffpunkte für Linksextremisten bekannt sind.
„Warum wird das eine Projekt sofort zerschlagen, während man bei der alteingesessenen ‚Datscha‘ seit fast 18 Jahren beide Augen zudrückt?“ (Amir Makatov, Joelle Rautenberg)
Der Artikel nutzt dabei eine doppelte Strategie:
- Vorwurf der Doppelmoral: Die „nicht vergleichbare“ Räumungspolitik der Stadt Potsdam wird als „ungerechtfertigt“ dargestellt – obwohl das „La Datscha“ selbst als „Treffpunkt für Linksextremisten“ gilt.
- Opfer-Täter-Umkehr: Die Besetzer:innen der Tornowstraße werden als „Opfer staatlicher Willkür“ inszeniert, während die „Datscha“ als „legitimes Hausprojekt“ dargestellt wird.
Der Text ignoriert dabei, dass die „Datscha“ selbst „autonome soziokulturelle Zentren“ als „Kampfprojekte“ bezeichnet und damit die „Hausbesetzertradition“ propagiert. Die „Doppelmoral“ wird damit als Beleg für staatliche Unterdrückung instrumentalisiert – ein Frame, der direkt an die rechte Hausbesetzer-Politik („Besetzt! Gegen den Staat!“) anknüpft.
Sport & Auslandsmeldungen: Migrationskritik als Kampagnen-Element
Parallel zu den politischen Texten nutzte NIUS Sport und Auslandsmeldungen, um migrationskritische Frames zu festigen:
- „WM-Aus vor dem Start: US-Behörden verweigern somalischem Schiedsrichter die Einreise“ (
Sport/wm-us-behoerden-verweigern-somalischem-schiedsrichter-einreise): Hier wird die Einreiseverweigerung als „Sicherheitsbedenken“ dargestellt, ohne die migrationspolitische Dimension zu thematisieren. - „Unbekannte schmieren Fadenkreuze auf unsere WM-Stars“ (
Kriminalität/fadenkreuze-auf-wm-stars-geschmiert): Die Beschmierung wird als „politisches Motiv“ dargestellt, während rassistische Kontexte (z. B. „Fadenkreuz“-Symbolik) ignoriert werden.
Diese Meldungen folgen einer klassischen „Ausländer-Kriminalität“-Rhetorik, die komplexe politische oder sicherheitsrelevante Entscheidungen auf ethnische Zuschreibungen reduziert.
Begriffe & Frames des Tages
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„NGO-Komplex“
„CDU- und CSU-Parteibüros und die Parteizentrale in Berlin wurden etwa angegriffen. [...] Zahlen des Bundeskriminalamts zur politisch motivierten Gewalt zeigen nun: Die Mobilisierung schlug statistisch identifizierbar in Gewalt gegen die Union um.“ (Redaktion, „Diese Statistik belegt die Gewalt der ‚Zivilgesellschaft‘ gegen CDU/CSU“) Einordnung: Der Begriff „NGO-Komplex“ ist ein rechtspopulistischer Kampfbegriff, der zivilgesellschaftliches Engagement als „staatsfeindliche Struktur“ diffamiert. Er knüpft an die „Lügenpresse“- oder „Systempresse“-Rhetorik an und dient dazu, kritische Medien, Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen pauschal zu verdammen. NIUS nutzt hier eine „Exklusiv-Recherche“-Rhetorik, um die Staatsanwaltschaft gegen „Extremisten“ als „Beweis für staatliche Unterdrückung“ darzustellen – eine Strategie, die direkt an die rechte Verschwörungstheorie („Der Staat gegen das Volk“) anknüpft.
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„Faschismus-Jäger“
„Mit der ‚Wissenschaft gegen Faschismus‘ blasen die Universitäten in die Paniktrompete. Mit solchen Aktionen gibt die Wissenschaft ihre Wissenschaftlichkeit preis.“ (Alexander Kissler, „Universitäten kämpfen mit ‚Wissenschaft gegen Faschismus‘ gegen die AfD: Das ist eine Grenzüberschreitung“) Einordnung: Der Begriff „Faschismus-Jäger“ ist eine rhetorische Diffamierung, die linke Aktivist:innen als „ideologische Fanatiker“ darstellt, die „Faschismus überall sehen“. Er knüpft an die rechte Relativierung von Rassismus an („Antifa sind die wahren Faschisten“) und dient dazu, kritische Debatten über Rechtsextremismus als „Denkverbot“ zu diskreditieren. Kissler nutzt hier eine „Opfer-Täter-Umkehr“, indem er die AfD als „demokratisch legitimierte Partei“ darstellt, während linke Aktivist:innen als „Zensoren“ diffamiert werden.
Relevante Artikel
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„Die Schlacht der langen Männer“
https://nius.de/Politik/friedrich-merz-mathias-doepfner-schlacht-der-langen-maenner02:30 | 9.6.2026Claudio Casula inszeniert Merz als „Opfer einer Verschwörung“ und nutzt die angebliche „Medienfeindlichkeit“ als Frame, um die Debatte um Merz’ politische Führung als „Kampf der Giganten“ darzustellen. Die „Verschwörungstheorie“ (Merz vermutet eine Intrige von Friede Springer, beeinflusst von Merkel) wird dabei als „Paranoia“ denunziert – obwohl die kritische Berichterstattung von Bild und Welt selbst Gegenstand der Kritik war. -
„Diese Statistik belegt die Gewalt der ‚Zivilgesellschaft‘ gegen CDU/CSU“
https://nius.de/Nachrichten/cdu-csu-gewalt-2025-bka16:22 | 9.6.2026Die Redaktion nutzt BKA-Zahlen, um „NGO-Komplex“ als „Beleg für Gewalt gegen die Union“ darzustellen. Der Begriff „NGO-Komplex“ ist ein rechtspopulistischer Kampfbegriff, der zivilgesellschaftliches Engagement pauschal als „staatsfeindlich“ diffamiert. Die Opferrolle der CDU wird dabei systematisch konstruiert, während die Gewalt gegen AfD-Parteibüros (31,7 % Anstieg) ignoriert wird. -
„Universitäten kämpfen mit ‚Wissenschaft gegen Faschismus‘ gegen die AfD: Das ist eine Grenzüberschreitung“
https://nius.de/Kissler Kompakt/universitaeten-kaempfen-gegen-die-afd-das-ist-eine-grenzueberschreitung13:05 | 9.6.2026Alexander Kissler diffamiert „Wissenschaft gegen Faschismus“ als „Aktivismus“ und konstruiert die AfD als „Opfer universitärer Denunziation“. Der Frame folgt einer klassischen Kulturkampf-Strategie, die kritische Debatten über Rechtsextremismus als „Denkverbot“ darstellt. -
„Potsdam räumt neue Hausbesetzung nach wenigen Tagen – aber duldet linkes Hausprojekt seit fast 18 Jahren“
https://nius.de/Gesellschaft/potsdam-hausbesetzung-hausprojekt-la-datscha01:36 | 9.6.2026Amir Makatov und Joelle Rautenberg nutzen die Doppelmoral in Potsdams Hausbesetzer-Politik, um linke Aktivist:innen als „Heuchler“ darzustellen. Während ein besetzes Haus in der Tornowstraße nach wenigen Tagen geräumt wird, darf das „La Datscha“ seit 2008 unangetastet bleiben – obwohl beide Projekte als „Treffpunkte für Linksextremisten“ gelten. -
„WM-Aus vor dem Start: US-Behörden verweigern somalischem Schiedsrichter die Einreise“
https://nius.de/Sport/wm-us-behoerden-verweigern-somalischem-schiedsrichter-einreise11:16 | 9.6.2026Die Einreiseverweigerung wird als „Sicherheitsbedenken“ dargestellt, während die migrationspolitische Dimension ignoriert wird. Der Frame folgt einer klassischen „Ausländer-Kriminalität“-Rhetorik, die komplexe politische Entscheidungen auf ethnische Zuschreibungen reduziert. -
„Unbekannte schmieren Fadenkreuze auf unsere WM-Stars“
https://nius.de/Kriminalität/fadenkreuze-auf-wm-stars-geschmiert13:40 | 9.6.2026Die Beschmierung wird als „politisches Motiv“ dargestellt, während rassistische Kontexte (z. B. „Fadenkreuz“-Symbolik) ignoriert werden. Der Frame dient dazu, Migration und Gewalt pauschal zu verknüpfen – ein klassisches rechtspopulistisches Narrativ.