Derzeit wird nur die Website von NIUS berücksichtigt – keine YouTube-Videos. Montag stand im Zeichen einer geballten Attacke auf Frank-Walter Steinmeier: Mit einem polemischen Lang-Kommentar Claudio Casulas und einem flankierenden Redaktionsartikel inszenierte NIUS den Bundespräsidenten als "falschen Mann im Amt" und Volksverächter.

Das Steinmeier-Interview im ZDF wurde zum Hauptaufreger. Casulas Text "Im ZDF-Sommerinterview zeigt Frank-Walter Steinmeier, warum er kein Bundespräsident des Volkes ist" dekliniert in epischer Breite jeden Kritikpunkt am Staatsoberhaupt durch: die Luxussanierung von Schloss Bellevue, angeblich fehlende Neutralität und die "Ausgrenzungsrhetorik" gegen AfD-Wähler. Der Kernvorwurf: Steinmeier unterteile die Bevölkerung in "richtig" und "falsch" Wählende und diffamiere Oppositionelle als Gegner "des Systems der Demokratie". Ein parallel veröffentlichter kürzerer Redaktionsartikel spitzte dies auf die Headline "Steinmeier beschuldigt Bürger, 'gegen das System der Demokratie' zu wählen" zu – eine direkte Umdeutung von Steinmeiers Aussage, der von "einem erklecklichen Anteil" sprach, die explizit gegen demokratische Grundwerte stimmten, nicht gegen die Regierung. NIUS verdreht dies zur pauschalen Diffamierung aller AfD-Wähler und stilisiert sich und seine Klientel zu Verfolgten des Staatsoberhaupts. Die Argumentation ist simpel: Wer das Establishment kritisiert, wird mundtot gemacht – NIUS als Hort des authentischen "Volkswillens" dagegen.

Andere Themen des Tages traten dahinter zurück, folgten aber der Linie: Janina Lionello berichtete detailliert über Alexander Dobrindts Pläne für weitreichende Verfassungsschutz-Befugnisse, inklusive möglicher V-Leute ab 16 Jahren – eine faktische, aber im Gesamtkontext der "Systemkontrolle"-Erzählung passende Meldung. Ralf Schuler warnte vor einem geschwächten Informationsfreiheitsgesetz, das "linke Aktivisten, Flüchtlingshelfer, Migrations- und Asylfreunde" treffe und auf den "NGO-Komplex" abziele. Dazu der übliche Mix: ein Sieg vor Gericht gegen die BVG und drei Schauspielerinnen, die auf einem roten Teppich unvermittelt gegen die Regierung schossen – eine ideale, weil unerwartete Bestätigung der eigenen Linie.