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Zwei Texte am Sonntag laufen auf dasselbe Motiv zu: Linke betrieben heute das, wogegen Bürgerliche und Konservative historisch gekämpft hätten – Rassentrennung. Joelle Rautenbergs Recherche zur NGO EOTO nimmt die abgesagte „nur für Schwarze"-Schwimmveranstaltung im Berliner Volksbad zum Anlass, den Verein als Millionen-subventionierten Aktivismus-Apparat vorzuführen (8,85 von 10,5 Mio. Euro für das „Black Communities Center" aus Steuergeldern) – dieselbe Kampagne läuft damit in eine vierte Runde. Felix Perrefort liefert dazu den ideengeschichtlichen Überbau: In einem langen historischen Streifzug rekonstruiert er, wie Republikaner die Sklaverei beendeten und den Klan bekämpften, während Demokraten ihn deckten – um daraus die Volte zu ziehen, „Linke" kehrten heute „unter umgekehrten Vorzeichen" zum „Rassenwahn" zurück. Die historisch korrekten Fakten (Stevens, Sumner, Byrd) werden als Beleg für eine gegenwartspolitische These instrumentalisiert, die Kontinuitäten der Parteiensysteme über 160 Jahre hinweg glattbügelt und den heutigen amerikanischen Rechtspopulismus komplett ausblendet. Beide Texte teilen den Reflex, antirassistische Praxis als „Neorassismus" umzudeuten – ein Frame mit Anschluss an rechte Rhetorik zu „Rassismus gegen Weiße".

Der gewichtigste Einzeltext des Wochenendes ist aber Pauline Voss’ Recherche zur „Democratic Policing Initiative" der Polizeigewerkschaft GdP. Aus dem bekannten Putsch-Aufruf des GdP-Vize Sven Hüber gegen eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wird eine internationale Verschwörung konstruiert: GdP-Chef Kopelke posiere mit US-Polizeifunktionären vor einem „Operationalizing never again"-Schild, was NIUS als Blaupause für Widerstand gegen demokratisch gewählte Regierungen liest. Die Holocaust-Referenz der US-Initiative wird zynisch als Beleg für anti-demokratische Absichten uminterpretiert, während die naheliegende Lesart – Polizeiverbände wollen keine rechtswidrigen Anordnungen exekutieren – gar nicht erst diskutiert wird.

Daneben: Spiegel-Chefredakteur Kurbjuweits Verteidigung des „gefährlichster Mann Deutschlands"-Covers wird unkommentiert dokumentiert, während Siegmund das Cover als Wahlwerbung feiert. Philippe Fischers süffisante Reportage von Banaszaks Brocken-Wanderung („Es ist wie in der Kirche – es kommen nur die Gläubigen") bedient das Bild einer abgehobenen Grünen-Blase. Waldbrand-Meldungen aus der Eifel und ein politisch neutrales Fauda-Feature über Netflix' fünfte Staffel liefen als unpolitische Füller mit.

Begriffe & Frames des Tages

  • „Neorassismus"

    „Neorassismus: Ohne bürgerliche Kritik von NIUS hätten Linke ein Rassentrennungs-Schwimmen veranstaltet." Der Begriff verschiebt die historische Bedeutung von Rassismus auf antirassistische Praxis und dient als Kampfvokabel gegen „Identitätspolitik"-Vorwürfe.

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