NIUS-Watch: NIUS-Watch – Merz als „Sozialist“ und der rechte „Kulturwandel“
Analyse vom 26.01.2026: NIUS attackiert Friedrich Merz als volksfernen Elite-Politiker, inszeniert Montana Black als Stichwortgeber und zeichnet das Bild eines bürokratischen „Fail State“.
NIUS-Watch
**Der Kampf um die kulturelle Hegemonie wird jetzt über Gaming-Streamer geführt, während der Kanzlerkandidat der Union als „gescheiterter Sozialist“ gebrandmarkt wird.**
Über das Wochenende hat NIUS die am Freitag begonnene Großoffensive gegen Friedrich Merz nicht nur fortgesetzt, sondern ideologisch zugespitzt. Julian Reichelt nutzt Merz’ Davos-Aussage über die Arbeitsmoral der Deutschen nun, um den CDU-Chef rhetorisch in die Nähe der politischen Linken zu rücken. Das Framing ist bemerkenswert perfide: Wer dem Volk mangelnden Fleiß vorwerfe, bediene sich der „Argumentationsmuster gescheiterter Sozialisten“, die stets das Volk und nie das System für Misserfolge verantwortlich machten. Merz wird hierbei nicht mehr als konservative Hoffnung, sondern als isolierte Figur dargestellt, die – beraten vom „unfähigen“ Stefan Cornelius – den Kontakt zur Realität verloren habe. Diese Strategie zielt darauf ab, die konservative Wählerbasis emotional von der Parteispitze zu entkoppeln: Hier der fleißige, steuergeplagte Bürger, dort der abgehobene Merz im „weißen Sessel“.
Parallel dazu arbeitet das Portal intensiv an der Vereinnahmung vorpolitischer Räume. Unter dem Label „Der Kulturwandel ist in vollem Gange“ instrumentalisiert NIUS Aussagen von Reichweiten-Giganten wie dem Streamer Montana Black, um harte Migrationspolitik als neuen Mainstream zu definieren. Wenn Montana Black fordert, kriminelle Ausländer sollten gehen, adelte NIUS dies als den eigentlichen Volkswillen („von Rapper bis Streamer“). Flankiert wird dies durch das Video des MMA-Kämpfers Magomed Israpilov, der als „guter Migrant“ inszeniert wird: patriotisch, dankbar, assimilationswillig. Diese Figur dient als strategischer Schild gegen Rassismusvorwürfe und gleichzeitig als Kronzeuge dafür, dass Patriotismus und Deutschlandfahne keine rechten Kampfbegriffe, sondern Normalität seien.
Die dritte Säule der Wochenend-Agitation bedient das klassische Deklinismus-Narrativ: Deutschland als unbewohnbarer „Fail State“. In einer Gegenüberstellung mit der Schweiz wird die Bundesrepublik als Hochsteuerland voller Müll, Gewalt und kaputter Infrastruktur gezeichnet. Emotionalisiert wird dieser Abstieg durch anekdotische Evidenz aus dem Handwerk: Ein Berliner Bäcker, der „Eierkocher zertifizieren“ muss, dient als Symbolfigur für den „Bürokratie-Horror“, der den Mittelstand vernichte. NIUS webt hierbei geschickt Einzelfälle (Rofu-Insolvenz, Bäckerei-Auflagen) zu einem Gesamtbild des systemischen Zusammenbruchs zusammen, in dem der Staat nur noch als gieriger Abkassierer und ineffizienter Blockierer erscheint.
### Begriffe & Frames des Tages:
* **„Merz der Sozialist“**
> „Er verfällt hier in die klassischen Argumentationsmuster gescheiterter Sozialisten.“
Eine drastische Umdeutung des CDU-Markenkerns. Indem Merz’ Kritik an der Arbeitszeit als Schuldzuweisung an das Kollektiv (typisch sozialistisch laut NIUS-Logik) geframt wird, wird er für das liberale und konservative Publikum als unwählbar markiert.
* **„Kulturwandel“**
> „Der Kulturwandel ist in vollem Gange... von Rapper bis Streamer ist alles dabei.“
Dieser Begriff suggeriert, dass die öffentliche Meinung kippt und rechte Positionen (Abschiebungen, Nationalstolz) nun auch in der Jugendkultur (Gaming, Rap) hegemonial werden. Es dient der Selbstvergewisserung: „Wir sind die Mehrheit.“
* **„Bürokratie-Horror“**
> „Jeder Eierkocher muss zertifiziert werden.“
Ein Frame, das staatliche Regulierung nicht als Sicherheitsstandard, sondern als Schikane und Existenzbedrohung darstellt. Solche absurden Detail-Beispiele dienen dazu, das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Verwaltung generell zu untergraben.
### Relevante Beiträge
* **„Friedrich Merz von allen guten Beratern verlassen“**
`17:00 | 24.01.2026 | 02:00 min`
Reichelt verschärft die Attacke auf Merz. Der Vorwurf: Merz agiere wie ein Sozialist, indem er das Volk für politische Fehler beschimpfe. Sein Berater Stefan Cornelius wird als inkompetent diffamiert. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=4_9JypYlNOw)
* **Der Kulturwandel ist in vollem Gange**
`15:01 | 24.01.2026 | 01:03 min`
Strategische Nutzung von Popkultur. Der Streamer Montana Black wird zitiert, um harte Abschiebe-Forderungen als „Common Sense“ der Jugend zu legitimieren. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=vWD7-nyX3yM)
* **Wenn Vergleiche mit der Schweiz, dann richtig!**
`18:30 | 25.01.2026 | 01:51 min`
Klassisches „Failed State“-Framing. Die Schweiz wird als libertäres Paradies (wenig Steuern, Sicherheit) idealisiert, während Deutschland als unsicherer, schmutziger Ort des Niedergangs dargestellt wird. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=9iC1vZvdL_8)
* **Bäckermeister Seefluth über Bürokratie-Horror**
`13:01 | 25.01.2026 | 08:35 min`
Emotionale Reportage über das Handwerk. Überzogene Vorschriften (Eierkocher-Zertifizierung) werden genutzt, um Wut auf staatliche Institutionen zu schüren. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=u_sAQ_uCwF8)
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