Derzeit wird nur die Website von NIUS berücksichtigt – keine YouTube-Videos. Mit einem langen programmatischen Kommentar hat NIUS-Kolumnist Gunnar Schupelius am Donnerstag Horst Seehofers Diktum von 2018 reanimiert und mit einer statistisch fragwürdigen Schwimmbad-Bilanz beweisähnlich unterfüttert.
Schupelius’ Text mit dem Titel „Die Migration ist immer noch die Mutter aller Probleme“ ist das Zentrum, um das sich der politische Teil des Tages dreht. Der Kolumnist nahm Seehofers Satz aus dem Jahr 2018 zum Anlass, um eine direkte Linie von der unkontrollierten Einwanderung über islamistischen Terror bis zum Niedergang der Volksparteien zu ziehen. Als Belege dienten ihm vier Gewalttaten innerhalb von sechs Wochen – vom Amoklauf in Stade über den Mord an Marius Dick in Trier bis zum CSD-Anschlag in Berlin. Die Täter, alle mit Migrationshintergrund, seien der Beweis, dass Integration eine „Lüge“ sei, eine „Wunschvorstellung der linken Parteien, der Kirchen, der Gewerkschaften“. Schupelius’ argumentative Schließung ist total: Die Einwanderer aus „islamischen Kulturkreisen“ stünden unter dem Einfluss radikaler Moscheen und TikTok-Hassprediger, die Scharia über Grundgesetz stellten. Die regierenden Politiker schauten dem „hilflos zu“ oder sogar „weg“. Dass er damit nicht nur die Politik kritisiert, sondern eine ganze Bevölkerungsgruppe unter Generalverdacht stellt, ist die rassistische Grundierung des Textes.
Der Kommentar konstruiert zudem einen politischen Verrat: Friedrich Merz habe im Wahlkampf 2025 noch harte Maßnahmen gegen „Ausländergewalt“ gefordert, nach der Wahl aber alles aufgegeben, um dem Koalitionspartner SPD zu gefallen. Schupelius inszeniert die AfD als einzige Partei, die Seehofers Erkenntnis heute noch ausspreche, und versieht die Verfassungsschutzeinstufung der Partei mit einem relativierenden „Aber was soll das heißen?“. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer das Problem beim Namen nenne, werde zu Unrecht als extremistisch verfolgt.
Flankiert wurde dieser Meinungsbeitrag von einer sogenannten „NIUS-Schwimmbadbilanz der sexuellen Übergriffe“. Der Artikel behauptet auf Basis eigener Auswertungen von Polizeimeldungen, dass 80 Prozent der zuordenbaren sexuellen Übergriffe in Schwimmbädern von Ausländern begangen worden seien. Als Beispiele werden ein äthiopischer Staatsangehöriger und ein iranischer „Freibad-Grapscher“ angeführt. Die methodischen Schwächen dieser Zählung – winzige Fallzahlen, selektive Meldungserfassung, fehlende Kontextfaktoren – werden nicht thematisiert. Stattdessen soll die Statistik den Eindruck erwecken, der ausländische Badegast sei per se eine Gefahr. Das ist rassistisches Framing im Gewand einer Zahlenauswertung.
Ein zweites, kleineres Cluster widmete sich der Entlarvung des „Woke-Establishments“ im Fall des zurückgetretenen Cambridge-Professors Jason Arday. Claudio Casula breitete genüsslich die Widersprüche in Ardays Lebenslauf aus – angebliche Marathon-Weltrekorde ohne Nachweis, Hochstapler-Vorwürfe, Plagiatsaffäre – und präsentierte den schwarzen Soziologen als Diversity-Posterboy, auf den die Elite-Uni nur „aus Gründen der Political Correctness“ hereingefallen sei. Der Artikel zitiert ausführlich den investigativen Journalisten, der die Plagiate aufdeckte, und stellt Arday als notorischen Lügner dar, der Kritik pauschal als „rassistisch motiviert“ abtue. Passend dazu berichtete ein weiterer Artikel über eine Brasilianerin, die wegen Falschgenderung eines Trans-Politikers zu Hausarrest verurteilt wurde – ein Beleg für den angeblichen globalen Trans-Wahnsinn.
Der dritte Strang des Tages griff das Corona- und Eliten-Narrativ auf: Felix Perrefort beschrieb anhand neuer Fauci-Dokumente die „unheimliche Macht des Bill Gates“. Der Milliardär habe eine Sicherheitsfreigabe für streng geheime Informationen besessen und den US-Gesundheitsbeamten Fauci als seinen Privatlektor genutzt. „Es ist der NGO-Komplex im Endlevel“, fasste Perrefort zusammen. Der Beitrag endet mit der Einordnung, eine „weitere vermeintliche Verschwörungstheorie“ werde durch offizielle Dokumente bestätigt.
Zwischen diesen politischen Stücken fand sich ein einzelner unpolitische Soft-News-Füller – ein persönlicher Kommentar zu Taxi gegen Uber –, der als Reichweiten-Content die Kampagnenstücke einbettete. Zwei NIUS-Live-Teaser bewarben zudem die Themen des Tages crossmedial.
Begriffe & Frames des Tages
- „Mutter aller Probleme“
„Heute, acht Jahre später, stellt sich heraus, dass Seehofer recht behalten sollte. Die unkontrollierte Einwanderung hat zu Problemen geführt, die nicht mehr beherrschbar sind.“ Schupelius reanimiert eine Formulierung, die schon 2018 für Empörung sorgte, und macht sie zum Mantra einer aktuellen Krisendiagnose. Der Begriff setzt Migration absolut – alle anderen gesellschaftlichen Probleme werden zu bloßen Folgeerscheinungen degradiert.
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