NIUS-Watch: NIUS-Watch – „Tennis statt Terror“: Der totale Krieg gegen die CDU-Mitte
Analyse der Nius-Kampagnen vom Mittwoch: Personalisierung der Stromkrise auf Kai Wegner, Reichelts Angriff auf die „Außenpolitik“ von Merz und die Inszenierung Daniel Günthers als Verfassungsfeind.
NIUS-Watch
**Nius führt eine Zangenbewegung gegen den liberalen Flügel der Union durch: Kai Wegner wird als lügender Hedonist und Daniel Günther als diktatorischer Zensor markiert.**
Die Berichterstattung vom Mittwoch markierte eine signifikante Eskalation in der Auseinandersetzung mit der CDU. Julian Reichelt und sein Team nutzten den anhaltenden Stromausfall in Berlin nicht mehr nur für das Narrativ des „Staatsversagens“, sondern personalisierten die Krise gnadenlos auf den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Unter dem Slogan „Tennis statt Terror“ konstruierte der Sender das Bild eines abgehobenen Politikers, der sich dem Freizeitvergnügen hingibt, während „die Menschen frieren“. Diese Taktik dient dazu, Wegner als Repräsentanten einer „woken“, mit den Grünen koalierenden Union moralisch zu vernichten. Andreas Dorfmann und Reporter Jan Karon arbeiteten sich minutiös an Wegners Zeitplan ab, nannten seine Kommunikation ein „Täuschungsmanöver“ und forderten ultimativ seinen Rücktritt.
Parallel dazu eröffnete Nius eine zweite Front gegen den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther. Dessen Kritik an Desinformation (in einer Lanz-Sendung) deutete Nius in einen Angriff auf das Grundgesetz um. Ulrich Vosgerau, der Hausjurist des Formats, attestierte dem CDU-Politiker eine „verfassungsfeindliche Grundhaltung“, da dieser angeblich Zensur fordere. Hier zeigt sich das typische rechtspopulistische Spiegelungs-Muster: Der Vorwurf der Demokratiegefährdung wird einfach umgedreht und auf den etablierten Politiker zurückgeworfen. Günther wird als eigentlicher Feind der Freiheit inszeniert, um die eigene Position als „Stimme der Mehrheit“ gegen staatliche Übergriffe zu immunisieren.
Auch Kanzlerkandidat Friedrich Merz blieb nicht verschont. Nius etablierte den Frame „Grönland statt Grunewald“, um Merz als globalistischen „Außenkanzler“ darzustellen, der sich lieber um geopolitische Linien kümmert, als um die Sorgen der eigenen Bevölkerung. In einer Talk-Runde mit Wolfram Weimer wurde Merz’ Schweigen zum Berliner Stromausfall als Beweis seiner Distanz zur Realität gewertet. Systematisch ausgeblendet wurden dabei erneut die komplexen technischen Ursachen des Stromausfalls oder die föderalen Zuständigkeiten; stattdessen bediente Nius durch O-Töne (wie im Friseur-Video) das Gefühl, Deutschland spende Milliarden ins Ausland, während die eigene Infrastruktur verrotte – ein klassisches „Germany First“-Narrativ.
### Begriffe & Frames des Tages:
* **Tennis statt Terror**
> "Tennis statt Terror. Es ist ein unglaublicher Vorwurf [...] Kai Wegner war nach dem Terroranschlag [...] auf dem Tennisplatz."
Dieser Alliterations-Frame dient der maximalen Emotionalisierung. Er stellt das vermeintliche private Vergnügen (Tennis = elitär) dem bedrohlichen Szenario (Terror = existenzielle Angst) gegenüber. Wegner wird so als empathieloser Politiker gezeichnet, der den Ernst der Lage nicht begreift.
* **Grönland statt Grunewald**
> "Die US-Intervention in Venezuela, die hat Merz auf dem Schirm. [...] Eines aber nicht: Linker Terror quasi vor der Haustür."
Dieser Slogan soll Friedrich Merz als volksfernen Globalisten brandmarken. Es wird eine falsche Dichotomie aufgebaut: Wer sich um Außenpolitik kümmert, verrate die heimische Bevölkerung (hier symbolisiert durch den bürgerlichen Grunewald).
* **Verfassungsfeindliche Grundhaltung (in Bezug auf Daniel Günther)**
> "[...] das ist in der Tat geeignet, ein Indiz für eine verfassungsfeindliche Grundhaltung zu bilden."
Der Begriff, eigentlich genutzt vom Verfassungsschutz zur Beobachtung extremistischer Bestrebungen, wird hier von Ulrich Vosgerau gegen einen amtierenden Ministerpräsidenten gewendet. Dies delegitimiert Kritik an Desinformation als totalitären Akt und normalisiert den Vorwurf des Verfassungsbruchs gegen die politische Mitte.
### Relevante Beiträge
* **Tennis statt Terror – Berlins Bürgermeister Wegner hat gelogen**
`19:30 | 07.01.2026 | 23:54 min`
Das Hauptstück der Kampagne. Andreas Dorfmann und Jan Karon zerlegen Kai Wegners Zeitmanagement während des Stromausfalls. Sie werfen ihm Lüge und Arroganz vor, weil er Tennis spielte, statt den Krisenstab zu leiten. Der Beitrag dient der moralischen Demontage Wegners. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=Agx2zIlcqkE)
* **Terror in Berlin: Das eisige Schweigen von Kanzler Friedrich Merz**
`10:16 | 07.01.2026 | 28:50 min`
Julian Reichelt und Gäste greifen Friedrich Merz an. Sie werfen ihm vor, den „linken Terror“ in Berlin zu ignorieren, um die Koalition mit der SPD nicht zu gefährden. Der Frame „Grönland statt Grunewald“ wird hier zentral gesetzt, um Merz Desinteresse am eigenen Volk zu unterstellen. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=sCQow1dMnbg)
* **Angriff auf die freien Medien vom SH-Ministerpräsidenten**
`08:33 | 07.01.2026 | 60:00 min`
Eine Generalabrechnung mit Daniel Günther (CDU). Ulrich Vosgerau deutet Günthers Kritik an Nius in einen Angriff auf die Pressefreiheit um und rückt den Ministerpräsidenten in die Nähe von Verfassungsfeinden. Dient der Selbstimmunisierung von Nius gegen politische Kritik. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=OcDYj1nmv20)
* **Barber spricht Klartext über Stromausfall**
`11:52 | 07.01.2026 | 02:29 min`
Ein „Vox Populi“-Format, das die Stimmung an der Basis einfangen soll. Der Protagonist bedient das Narrativ, dass Geld für das Ausland da sei („hunderte Milliarden“), aber nicht für das „eigene Volk“. [Link](https://www.youtube.com/watch?v=bGz8w-mvAKc)
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